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  • Karolina Tomanek

Sinnorientiert führen

Eine Kurzgeschichte zum Nachdenken


Geschichte von den zwei Krügen

Es war einmal eine alte chinesische Frau, die zwei große Krüge hatte, die von den Enden einer Stange hingen, die sie über ihren Schultern trug.

Einer der Krüge hatte einen Sprung, während der andere makellos war und stets eine volle Portion Wasser fasste.

Am Ende der langen Wanderung vom Fluss zum Haus der Frau war der andere Krug jedoch immer nur noch halb voll.

Zwei Jahre lang geschah dies täglich: Die alte Frau brachte immer nur anderthalb Krüge Wasser mit nach Hause.

Der makellose Krug war natürlich sehr stolz auf seine Leistung.

Aber der arme Krug mit dem Sprung schämte sich wegen ihres Makels und war betrübt, dass er nur die Hälfte dessen verrichten konnte, wofür er gemacht worden war.

Nach zwei Jahren, die ihm wie ein endloses Versagen vorkamen, sprach der Krug zu der alten Frau:

„Ich schäme mich so wegen meines Sprungs, aus dem den ganzen Weg zu Deinem Haus immer Wasser läuft.“

Die alte Frau lächelte. „Ist Dir aufgefallen, dass auf Deiner Seite des Weges Blumen blühen, aber auf der Seite des anderen Kruges nicht?

Ich habe auf Deiner Seite des Pfades Blumensamen gesät, weil ich mir Deines Fehlers bewusst war. Nun gießt Du sie jeden Tag, wenn wir nach Hause laufen.

Zwei Jahre lang konnte ich diese wunderschönen Blumen pflücken und den Tisch damit schmücken. Wenn Du nicht genauso wärst, wie Du bist, würde diese Schönheit nicht existieren und unser Haus beehren.“


Man kann diese kleine Geschichte durch viele verschiedene Schablonen lesen.

Als Impuls über Wertschätzung, über die Stärken und Schwächen, über Individualität, über uns als Teil einer Gesellschaft und viele mehr.


Ich lese sie heute als Beispiel für gute sinnorientierte Führung. Die ältere Frau, die Vorgesetzte hat ihre Mitarbeitenden gut im Blick. Sie erkennt und anerkennt ihr jeweiliges Potenzial und schafft so Bedingungen in denen Diese sich entfalten und bestmöglich einbringen können. Sie hätte auch einen neuen Krug besorgen können. Damit hätte sie zwei Krüge voll Wasser.

Bilanz erfüllt.

Doch durch das genaue Hinschauen, durch die Anerkennung der unterschiedlichen Stärken und Potenziale hat sie einen ganz neuen Mehrwert geschaffen, der auch durch viele unterschiedliche Schablonen betrachtet werden kann. In jedem Fall aber als Er-Folge guter vertrauensvoller Führung.



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